Das Baltikum

Fahrt niemals niemals niemals von der Hauptstraße herunter, wenn euch euer Auto lieb ist und ihr keinen Geländewagen besitzt. Die Seitenstraßen sind selten ausgebaut und bestehen aus verdichtetem Schotter, der die Angewohnheit hat, wellig zu sein.

Eine einzige Katastrophe, alles scheppert, wackelt und klirrt und auf Lenkbewegungen reagiert ein Auto mit äußerster Verzögerung. Wenigstens gibt es dort auch kaum Verkehr, sodass man bei einer Panne auch sehr lange seine Ruhe hat. 🙈😄

Litauen Von den drei baltischen Staaten hat mich Litauen besonders beeindruckt, obwohl es das ärmste Land im Baltikum ist.

Vilnius, die Hauptstadt, hat gerade mal 530.000 Einwohner, aber dafür eine besonders lebhafte Vergangenheit. Litauen war einst eine Großmacht, welche bis ans Schwarze Meer reichte. Vilnius galt seit seiner Gründung als eine der liberalsten Städte Europas, die im Lauf ihrer Geschichte u. a. den verfolgten Juden aus Mitteleuropa und Russland Schutz bot.

Diese Einleitung ist wichtig, denn Vilnius hat heute einen autonomen Stadtteil, Užupis genannt, der früher vor allem von Juden bewohnt wurde und jetzt das Künstlerviertel ist. Einige Bewohner riefen als Kunstaktion die unabhängige Republik Užupis aus, die über eine Verfassung, eine Flagge und einen Präsidenten verfügt. Die zwölf Mann starke Armee wurde mittlerweile wieder aufgelöst, weil Užupis sich in seiner Verfassung als weltweit einziges Land zu einem völligen Gewaltverzicht verpflichtet hat. Trotz der fehlenden völkerrechtlichen Anerkennung wird die Republik Užupis Immer häufiger von ausländischen Staatsvertretern besucht. Das Parlamentsgebäude ist das Café Užupio Kavinė („Café von Užupis“), dort ist auf Bronzetafeln in 28 Sprachen die Verfassung niedergelegt worden.hier die deutsche Variante.

Zu den Ehrenbürgern von Užupis gehört unter anderem der Dalai Lama, der dort auch einen eigenen heiligen Tempel hat. Eine weitere Sehenswürdigkeit sind die drei Kreuze, die auf einem, die Stadt überragenden, Hügel stehen. Von dort hat man einen atemberaubenden Blick über ganz Vilnius.Lettland In Lettland wird der geteerte Straßenzustand deutlich besser, aber die Einöde der Landschaft nimmt zu. Man fährt stundenlang geradeaus und links und rechts ist nichts weiter als dichter Wald. Selbst die Hauptstadt Riga hat mich nicht besonders berührt, sodass ich zügig weiter nach Estland fuhr.

Estland war wieder ganz anders, am ehesten vergleichbar mit Lettland, nur noch flacher.

Tallinn ist zwar eine wunderschöne Stadt, aber die Parktickets sind absoluter Wucher!

4,80€ pro Stunde!! Deshalb ließ ich auch diese Stadt rasch hinter mir und macht mich auf den Weg mach Tartu, der Studentenstadt von Estland.

Auf dem Weg dorthin kam ich am „Viikingite Küla“ vorbei, einem Freilichtmuseum für die Kultur der Vikinger, inklusive Waffenvorführung, Fischteich, wo man seinen eigenen Fisch fangen kann, der sogleich geräuchert wird und vielem mehr. Bei Interesse kann man hier gerne auf deren Website stöbern.

Angekommen in Tartu fand ich mal wieder gleich einen perfekten Parkplatz, zentral und kostenlos und machte mich auf den Weg in die Innenstadt.

Tartu hat eine der ältesten Universitäten Europas. Die Stadt selbst ist in bestem Jugendstil erbaut und ein wahres Juwel. Hier gibt es zwar keinen schiefen Turm wie in Pisa, dafür aber ein ganzes Haus.

Ich musste zweimal hinschauen, da es nicht sofort auffällt. Aber irgendwas fällt auf, denn irgendwie scheint das Haus perspektivisch nicht zu stimmen. Bei genauerem hinsehen, fällt auf, dass es deutlich geneigt ist. Der Brunnen, der sich küssenden Studenten ist eine der Hauptattraktionen der Stadt.

Eine Legende besagt, dass ein Studentenpaar in einer Herbstnacht durch die dunklen Gassen der Altstadt spazierte.

Lachend und küssend erreichten sie das Rathaus, als es zu regnen anfing. Der junge Mann öffnete seinen Schirm und umarmte das Mädchen. Sie küssten sich lange und das Mädchen wünschte sich, dieser Moment möge nie vergehen. In diesem Augenblick blitzte es und das Paar wurde versteinert.

Seit dem stehen sie vor dem Rathaus und erinnern jeden Vorbeikommenden daran, dass das Herz zum Lieben und der Mund zum Küssen da sind… Nach Tartu ging es weiter in die endlosen weiten Estlands. Hier ein paar wunderschöne Eindrücke:

Auf einmal wurde das Land hügelig bzw fast bergig.

Ich könnte meinen Augen nicht trauen! Endlich mal etwas Abwechslung!

Wie sich herausstellte, ist hier auch der höchste Berg des ganzen Baltikums zu finden. Sage und schreibe 312 Meter hoch und ganz oben ist ein Aussichtsturm. Sein Name: Suur Munamägi, auf deutsch Halbes Ei, weil er wirklich genauso aussieht, wenn man sich die Bäume wegdenkt. Von dort oben hat man einen sagenhaften Blick. Laut Informationstafeln kann man bis zu 50 Kilometer weit schauen, bis mach Russland und Lettland! Der helle Wahnsinn!

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